Wasser ist der neue Wein

 

Es wird mit Aromen versetzt, gefärbt und in Designerflaschen abgefüllt: Wasser hat sich vom Durstlöscher zum Modeaccessoire gemausert.
Die Zeiten, als Wasser Autofahrergetränk und Synonym für Krankenhaus war, sind passé:

Mehr als 11,5 Milliarden Liter Mineral- und Heilwasser haben die Deutschen 2015 getrunken - das sind 143,5 Liter und elf Mal so viel wie 1970, als der Pro-Kopf-Verbrauch bei gerade einmal 12,5 Litern lag. Wasser ist das zweitbeliebteste Getränk, gleich nach Kaffee .
Ob Büro, Strand, U-Bahn oder Fußgängerzone, die Mehrheit der Deutschen hat nahezu überall eine Wasserflasche dabei.

 

Wir Europäer missverstehen den menschlichen Körper als mangelhafte Maschine, die von außen Kommandos bekommen muss, um zu funktionieren." Dabei sei der Mensch mit einem perfekten Wasserbalance-System ausgestattet: "Der beste Ratgeber ist unser Durst."

Zahllose Ratgeber-Bücher und die Mineralwasserindustrie empfehlen derweil, mindestens zwei Liter pro Tag zu trinken.

 

In Deutschland gibt es mehr als 500 Mineral- und 35 Heilwässer; dazu kommen diverse Tafel-, Quell- und Sauerstoffwässer sowie Nearwater-Produkte - sie alle wollen gekauft werden.

Die Firmen, die es sich leisten können, setzen deshalb auf Werbung mit Prominenz:

Was Ludwig XIV für Châteldon und Goethe für staatl. Fachinger sind Johannes B. Kerner für Bonaqua, Heidi Klum für Bella Fontanis und Madonna für Voss.

 

Besser sind die Wässer - so lautet die korrekte Mehrzahl in der Fachsprache - damit nicht.

Es hilft, zu wissen, dass Mineralwasser als einziges Lebensmittel amtlich anerkannt werden muss, während es sich bei Heilwasser um ein Arzneimittel handelt, das einer Zulassung bedarf. Tafelwasser ist eine Mixtur verschiedener Wässer, und Quellwasser braucht zwar keine Amts-Anerkennung, stammt aber wie Mineralwasser aus unterirdischen Wasservorkommen.

Seit ein paar Jahren werden Wässer nun künstlich mit Sauerstoff angereichert. Unabhängige Studien, die einen positiven Effekt dieser Anreicherung belegen, gibt es nicht.
Auch Esoterik u Bio hält Einzug bei der Mineralwasserindustrie .

 

Ähnlich verhält es sich mit den Nearwater-Produkten . Sie weisen meist zugesetzte künstliche Aromen sowie Farb- und Konservierungsstoffe auf, während die Pflanzen- und Fruchtextrakte, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung attestiert wird, minimal dosiert sind. "Viele dieser Getränke enthalten außerdem mehr Zucker als eine Cola"

Ob still oder sprudelnd, klar oder rosafarben: Wasser hat sich zum Prestigeprodukt und Modeaccessoire gemausert. Wer es trinkt, suggeriert Gesundheitsbewusstsein und Sportlichkeit, immer öfter auch Luxus und Exklusivität: Die Flaschen für das norwegische Voss hat Calvin Klein entworfen; Bling aus Tennessee, USA, wird in mit Swarovski-Kristallen verzierten Flakons verkauft ..

Es ist die Getränkeindustrie, die darauf wohl schon mehrfach angestoßen hat.

 

Regionale Produkte aus regionalen Mineralwasserquellen sind hierfür die beste Gegenargumente

 

Trink doch Mal ---- Regional !!